#bcbn17: Rückblick auf ein tolles Barcamp Bonn 2017

Die Veranstaltungsform des Barcamps ist noch relativ neu und entsprechend wenig bekannt. Das ist schade, denn gerade dieses Format hat eine ganz eigene Dynamik und bietet die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Themen kennenzulernen und selbst vorzustellen. Das Konzept ist sehr einfach:

Das Veranstaltungsformat Barcamp

Man benötigt einen Veranstaltungsort mit mehreren separaten Vortragsmöglichkeiten sowie möglichst viele Menschen, die dort zusammenkommen und offen für Neues sind. Idealerweise gibt es dazu noch ein gutes Organisatonsteam, das für passende Rahmenbedingungen sorgt, zu denen zwingend auch der Zugang zu schnellem Internet für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehört, denn ein Merkmal eines Barcamps ist es, dass es ausdrücklich erwünscht ist, während der Veranstaltungen so viele Eindrücke wie möglich über digitale Medien, wie Facebook, Twitter, Instagram und co zu verbreiten.

Ein durchgeplantes Programm ist nicht notwendig

Wer in dieser Beschreibung jetzt ein durchgeplantes Programm von Vorträgen und Diskussionsrunden vermisst, liegt damit vollkommen richtig. Wer je an einem Barcamp teilgenommen hat, wird diesen Punkt allerdings nicht mehr vermissen, denn das Programm entwickelt sich selbst zu Beginn eines jeden Barcamps und gerade das macht den Reiz eines Barcamps aus. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Barcamp sind sowohl Publikum, als auch (mögliche) Vortragende.

Alle sind Publikum und alle können etwas beitragen

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der alle Anwesenden sich mit Namen und bis zu drei Stichworten zu ihrer Person vorstellen, haben alle Anwesenden die Möglichkeit, ein Thema vorzustellen, zu dem sie eine sogenannte Session von etwa 45 Minuten anbieten. Die Gestaltung einer Session ist völlig frei und kann je nach Bedarf aus einem Vortrag, einem Workshop, einer Diskussionsrunde oder einer völlig anderen Kommunikationsform bestehen. Nach jedem vorgestellten Thema haben alle Anwesenden dann die Möglichkeit, durch Aufzeigen mitzuteilen, ob sie sich für das Thema interessieren. Dadurch findet eine demokratische Entscheidung darüber statt, wo und zu welchem Zeitpunkt eine Session zustande kommt. Je mehr Vortragsräume es gibt und je größer der Zeitrahmen für die Sessions ist, um so mehr Sessions können stattfinden. Im besten Fall haben alle, die eine Session anbieten möchten, die Möglichkeit, das zu tun.

Das dritte BarcampBonn fand am 10. und 11. März 2017 statt

Am 10. und 11. März 2017 fand ein solches Barcamp in dem beeindruckenden Ambiente des Posttowers in Bonn statt. Das Organisationsteam, bestehend aus Karin Krubeck, Sascha Förster und Johannes Mirus hatte ganze Arbeit geleistet und zusammen mit der Deutschen Post AG und weiteren Sponsoren eine nahezu perfekte Veranstaltung auf die Beine gestellt. Beste Voraussetzungen also auch für mich, mein Herzensthema Mediation weiter bekannt zu machen. So machte ich mich dann am Freitag, dem ersten Tag des Barcamps voller Neugierde und Vorfreude auf den Weg zu meinem ersten Barcamp.

Am ersten Tag beobachten

Den ersten Tag, der unter dem Motto „Mobilität“ stand, nutzte ich als Crash-Kurs in Sachen Barcamp, um die Gepflogenheiten besser kennenzulernen. Mehr als 200 weitere Menschen hatten ebenfalls Interesse und so füllte sich das Kongresszentrum der Deutschen Post AG sehr schnell und ab Mittag ging es los mit einer etwa einstündigen Vorstellungsrunde mit anschließender Präsentation der Themenangebote. Mein Programm an diesem Tag setzte sich dann letztlich aus vier Sessions zusammen: Eine Diskussion über Barrierefreiheit in Bonn, eine Betrachtung der ethischen Probleme bei der Programmierung selbstfahrender Autos, einen Erfahrungsbericht über die Nutzung eines Autos mit Elektroantrieb im Alltag und die Präsentation der aktuellen Versuche der Deutschen Post AG, Drohnen zur Zustellung von Paketen zu nutzen.

Am zweiten Tag selbst etwas anbieten

Am zweiten Tag, der thematisch völlig frei war, sprang ich dann nach der erneuten Vorstellungsrunde gleich ins kalte Wasser. Ich stellte meinen Themenvorschlag vor: „Mediation – Streiten, aber richtig“ und erläuterte mein Ziel, die Mediation als Konfliktlösungsverfahren bekannter zu machen und die Vorteile der Mediation im Vergleich zu anderen Formen, mit Konflikten umzugehen, zu erläutern. Dies fand erfreulicher Weise ein recht großes Interesse und so war mein Thema kurze Zeit später in das Programm des Tages aufgenommen. Als ich dann mit meiner Session an der Reihe war, entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch mit etwa zwanzig Menschen, die sich für das Thema Mediation interessierten. Näheres zu meiner Session, ein paar Eindrücke und Reaktionen habe ich in einem weiteren Blogpost aufgeschrieben.

Auch die anderen hatten wieder sehr gute Angebote

Außer meinem eigenen Aktivitäten konnte ich natürlich auch noch einige der Sessions der übrigen Teilnehmer besuchen. So lernte ich kennen, welche unschönen Erfahrungen die Mitgründerin des Bonner Startupunternehmens trackle als Frau auch in der heutigen Zeit noch machen muss, während sie ihre Idee zum marktreifen Produkt entwickelt. Ich erfuhr noch Näheres dazu, wie die Betreiber des Vorhersagedienstes „Wetter-online.de“ ihre Prognosen erstellen und welche, teils skurilen Reaktionen darauf erfolgen.

Für mich das absolute Highlight der Sessions war das Plädoyer von Gunnar Sohn, in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten stärker noch auf persönliche Wahrnehmungen und Erfahrungen zu setzen. Er erläuterte dies am Beispiel seines Großvaters, der Opfer der Nationalsozialisten wurde, die ihn im Rahmen ihres Euthanasieprogramms in einer Einrichtung bei Koblenz internierten und ihn vor den Augen aller seiner menschlichen Würde beraubten. Ein wirklich packender Vortrag!

Fazit

Das Barcamp Bonn war eine tolle Veranstaltung, die mir viele interessante Anregungen, Gespräche und Eindrücke beschert hat und bei der ich tolle Leute kennengelernt und mit ihnen Kontakt geknüpft habe. Gleichzeitig ist dieses Veranstaltungsformat sehr empfehlenswert, um auch weiterhin die Mediation bei den Menschen bekannter zu machen. Ich kann nur allen empfehlen, auch selbst einmal die Gelegenheit zu nutzen.


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